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Lord Byron (George Gordon Noel)
(London 1788 - 1824 Missolunghi):
"The castled crag of Drachenfels" (1816)
The castled crag of Drachenfels
Frowns o'er the wide and winding Rhine,
Whose breast of waters broadly swells
Between the banks which bear the vine,
And hills all rich with blossom'd trees,
And fields which promise corn and wine,
And scatter'd cities crowning these,
Whose far white walls along them shine,
Have strew'd a scene, which I should see
With double joy wert thou with
me.
And peasant girls with deep blue eyes,
And hands which offer early flowers,
Walk smiling o'er this paradise;
Above, the frequent feudal towers
Through green leaves lift their walls
of grey,
And many a rock which steeply lowers,
And noble arch in proud decay,
Look o'er this vale of vintage-bowers;
Bur one thing want these banks of Rhine,
-
Thy gentle hand to clasp in mine!
I send the lilies given to me;
Though long before thy hand they touch,
I know that they must wither'd be,
But yet reject them not as such;
For I have cherished them as dear,
Because they yet may meet thine eye,
And guide thy soul to mine even here,
When thou behold'st them drooping nigh,
And know'st them gathered by the Rhein,
And offered from my heart to thine!
The river nobly foams and flows,
The charm of this enchanted ground,
And all its thousand turns disclose
Some fresher beauty varying round:
The haughtiest breast its wish might bound
Through life to dwell delighted here;
Nor could on earth a spot be found
To nature and to me so dear,
Could thy dear eyes in following mine
Still sweeten more these banks of Rhine!
"Der turmgekrönte Drachenfels"
(1816)
(Übers.: Aug. Mommsen, 1885)
Weit droht ins offne Rheingefild
Der turmgekrönte Drachenstein;
Die breite Brust der Wasser schwillt
An Ufern hin, bekränzt vom Wein,
Und Hügeln, reich an Blüt' und
Frucht
Und Au'n, wo Traub' und Korn gedeihn,
Und Städten, die an jeder Bucht
Schimmern im hellen Sonnenschein:
Ein Zauberbild! - Doch fänd' ich
hier
Zwiefache Lust, wärst du bei mir!
Und manche holde Bäuerin
Mit Frühlingsblumen in der Hand
Geht lächelnd durch das Eden hin;
Hoch oben blickt vom Felsenrand
Durch grünes Laub das Räubernest,
Und manches Riff mit schroffer Wand
Und kühnen Bogens stolzer Rest
Schaut weit hinaus ins Vaterland;
Nur eines fehlt dem schönen Rhein:
-
Dein Händedruck, - ich bin allein!
Die Lilien, welche ich empfing,
Send' ich zum Gruße dir ins Haus:
Wenn auch ihr Duft und Schmelz verging,
Verschmähe nicht den welken Strauß!
Ich hielt ihn hoch, ich weiß es
ja,
Wann deine Augen bald ihn sehn,
Dann ist mir deine Seele nah':
Gesenkten Hauptes wird er stehn
Und sprechen: Von dem Tal des Rheins
Schickt diesen Gruß sein Herz an
dein's.
Der stolze Strom erbraust und fließt,
Der schönen Sagen Zaubergrund;
In tausend Windungen erschließt
Sich neue Schönheit, reich und bunt;
Wer wünschte nicht mit Herz und Mund
Ein Leben lang zu rasten hier?
Kein Raum wär' auf dem Erdenrund
So teuer der Natur und mir,
Wenn deine lieben Augen nur
Noch holder machten Strom und Flur.
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Heinrich Heine
(Düsseldorf 1797 - 1856 Paris):
"Die Nacht auf dem Drachenfels"
(1830)
Um Mitternacht war schon die Burg erstiegen,
Der Holzstoß flammte auf am Fuß
der Mauern,
Und wie die Burschen lustig niederkauern,
Erscholl das Lied von Deutschlands heil'gen
Siegen.
Wir tranken Deutschlands Wohl aus Rheinweinkrügen,
Wir sahn den Burggeist auf dem Turme lauern,
Viel dunkle Ritterschatten uns umschauern,
Viel Nebelfraun bei uns vorüberfliegen.
Und aus den Trümmern steigt ein tiefes
Ächzen,
Es klirrt und rasselt, und die Eichen
krächzen;
Dazwischen heult des Nordsturms Wutgebrause
...
Sieh nun, mein Freund! so eine Nacht durchwacht'ich
Auf hohem Drachenfels, doch leider bracht'
ich
Den Schnupfen und den Husten mit nach
Hause.
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Ferdinand Freiligrath
(Detmold 1910 - 1876 Cannstadt):
"Auf dem Drachenfels" (1839)
Hoch stand ich auf dem Drachenfels;
Ich hob die Hand, ich biß die Lippen.
Mein Jagdhund, freudigen Gebells,
Schlug an im Widerhall der Klippen.
Er flog hinab, er flog hinan,
Er flog, als ob ein Wild ihm liefe;
Ich aber stand, ein froher Mann,
Und bog hinab mich in die Tiefe.
In seiner Trauben lust'ger Zier,
Der dunkelroten wie der gelben,
Sah ich das Rheintal unter mir
Wie einen Römer grün sich wölben.
Das ist ein Kelch! - Die Sage träumt
An seinem Rand auf moos'ger Zinne;
Der Wein, der in dem Becher schäumt,
Ist die Romantik, ist die Minne!
Ha, wie er sprüht: - Kampf und Turnier!
Die Wangen glühn, die Herzen klopfen!
Es blitzt der Helm und das Visier,
Und schöne, frische Wunden tropfen!
Und hoch im Erker sinnend steht,
Vor der sich senken alle Fahnen; -
Was bin ich so bewegt? - was weht
Durch meine Brust ein sel'ges Ahnen?
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Wolfgang Müller von Königswinter
(Königswinter 1816 - 1873 Neuenahr):
"Mein Herz ist am Rhein" (1841)
Mein Herz ist am Rheine, im heimischen
Land!
Mein Herz ist am Rhein, wo die Wiege mir
stand,
Wo die Jugend mir liegt, wo die Freunde
mir blühn,
Wo die Liebste mein denket mit wonnigem
Glühn,
O, wo ich geschwelget in Liedern und Wein:
Wo ich bin, wo ich geh', mein Herz ist
am Rhein!
Dich grüß' ich, du breiter grüngoldiger
Strom,
Euch Schlösser und Dörfer, und
Städte und Dom,
Ihr goldenen Saaten im schwellenden Tal,
Dich Rebengebirge im sonnigen Strahl,
Euch Wälder und Schluchten, dich
Felsengestein:
Wo ich bin, wo ich geh', mein Herz ist
am Rhein!
Dich grüß' ich, o Leben, mit
jauchzender Brust,
Beim Liede, beim Weine, beim Tanze die
Lust!
Dich grüß' ich, o teures, o
wackres Geschlecht.
Die Frauen so minnig, die Männer
so recht!
Eu'r Streben, eu'r Leben, o mög'
es gedeihn!
Wo ich bin, wo ich geh', mein Herz ist
am Rhein!
Mein Herz ist am Rheine, im heimischen
Land!
Mein Herz ist am Rhein, wo die Wiege mir
stand,
Wo die Jugend mir liegt, wo die Freunde
mir blühn,
Wo die Liebste mein denket mit wonnigem
Glühn!
O möget ihr immer dieselben mir sein!
Wo ich bin, wo ich geh', mein Herz ist
am Rhein!
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Guillaume Apollinaire
(Rom 1880 - 1918 Paris):
"Mai" (1902)
Le mai le joli mai en barque sur le Rhin
Les dames regardaient du haut de la montagne
Vous êtes si joli mais la barque
s'éloigne
Qui donc a fait pleurer les saules riverains
Or des vergers fleuris se figeaient en
arrière
Les pétales tombés des cerisiers
de mai
Sont les ongles de celle que j'ai tant
aimée
Les pétales flétris sont
comme ses paupières
Sur le chemin du bord du fleuve lentement
Un ours un singe un chien menés
par des tziganes
Suivaient une roulotte traînée
par un âne
Tandis que s'éloignait dans les
vignes rhénanes
Sur un fifre lointain un air de régiment
Le mai le joli mai a paré les ruines
De lierre de vigne vierge et de rosiers
Le vent du Rhin secoue sur le bord les
osiers
Et les roseaux jaseurs et les fleurs nues
des vignes
"Mai" (1902)
(Übers.: J. Hübner / L. Klünner,
1976)
Im Mai im schönen Mai in Booten auf
dem Rhein
Herab von Bergeshöhe schauten Damen
heiter
Ihr seid so schön jedoch das Boot
es gleitet weiter
Die Uferweiden weinen was macht ihnen
Pein
Die Blüten hinter uns erstarrten an
den Bäumen
Die Blütenblätter die im Mai
der Kirschbaum gibt
Sind ihre Fingernägel die
ich so geliebt
Verwelkt sind sie wie Augenlider über
Träumen
Gemach auf einem Weg entlang den Stromesrand
Folgten Zigeuner dort mit Affe Bär
und Hunden
Dem Zirkuswagen dem ein Esel vorgespannt
Indes im Weingelände das der Rhein
durchwand
Mit ferner Pfeifen Lied ein Regiment entschwunden
Der Mai der schöne Mai schmückt
die Ruinen mild
Mit Efeu Heckenrosen und mit wildem Weine
In Uferweiden spielt und wühlt der
Wind vom Rheine
In Rebenblüten nackt und plauderhaftem
Schilf |